

Das globale ZERI Netzwerk nahm im Jahr 2000 an der Welt Expo in Deutschland teil. Hierfür wurde eine Bambusstruktur entworfen und gebaut, die einen Meilenstein in der nachhaltigen Architektur bedeutet. Simon Velez aus Kolumbien hatte den Pavillon entworfen. Er führte auch mit unterschiedlichen akademischen Einrichtungen wissenschaftliche Tests durch: mit den Universitäten von Braunschweig und Stuttgart, sowie der wirtschaftlichen Universität in Bremen. Das Gebäude wurde zuerst in Kolumbien und dann in Hannover aufgebaut.
ZERI Pavillon in Manizales - Kolumbien
ZERI Pavillon - Expo Hannover 2000
Dort haben es während der 5 Monate 6,4 Millionen Menschen besucht.
ZERI hat sich nicht auf diese Konstruktion eingelassen, um sie lediglich zu bauen. Das Hauptanliegen war, das Image des Bambus zu verändern. Die Mehrheit der geschätzten einen Milliarde Menschen, die dieses Baumaterial nutzen, sehen es als ein Symbol der Armut. Die Intention dieses Projektes war es, eine einzigartige Struktur zu erschaffen, die stolz auf dieses reichlich vorhandene, rasch nachwachsende Baumaterial macht. Im Anschluss an seine bemerkenswerte Präsenz auf der Welt Expo in Deutschland wurde der Pavillon in Manizales, Kolumbien, wieder aufgebaut. Dort ist er ein Symbol des Stolzes für die Kaffeebauern in der Umgebung.
Im Zentrum der Kaffeeregion Kolumbiens, welche auch das Herz der für bauliche Zwecke bevorzugten Bambussorte Guadua angustifolia ist, wurde zusätzlich zu dem Pavillon ein Bauernhaus konstruiert. Die Gegend produziert viel Kaffee, Bananen und Kräutertees und wurde auch schon an die ZERI-Prinzipien der Shiitake-Zucht mit Hilfe von Kaffeeabfällen herangeführt (siehe ZERI-Prozessdiagram).
Die typischen Stein- und Bambushäuser der Bauern sind einfachen Hütten gewichen, die nicht erdbebensicher sind und die Existenz der Bevölkerung gefährden. Aus der Planung des Bauernhauses nach den Prinzipien des ZERI-Pavillons unter Verwendung derselben Bautechnik und derselben Stabilitätssysteme kann man schließen, dass dieses Haus das erwiesenermaßen stabilste Haus in der dritten Welt ist. Dank seiner geneigten Wände, ein Merkmal von Simon Velez, „tanzt das Haus mit dem Rhythmus der Erde“.
Auf der Fläche von 100m² könnte man jedes Jahr die Menge an Bambus ernten, die für den Bau eines zweistöckigen Hauses mit großem Balkon und doppeltem Dach (für Kühlzwecke) benötigt wird. Vorausgesetzt, dass der künftige Eigentümer die meiste Arbeit selbst erledigt, liegen die Kosten bei 1.750 USD. Das Gebäude ist CO2 - neutral. Die Vereinigung der Kaffeebauern unterstützte dieses Wohnungsprojekt; Simon Velez entwarf dieses Haus in der Zeit nach dem Erdbeben, welches die Kaffeeregion 1999 zerstört hatte.
Die Kaffeeregion ist bekannt für ihre kalten Nächte und heißen Tage. Der Luftwechsel des Bauernhauses ist mit all der Genialität und Einfachheit unserer Freunde, der Termiten, geplant. Lufttunnel, die Termitenhügel nachahmen, werden in den Boden gegraben, um einen effizienten Luftstrom zu ermöglichen. Während der heißesten Tageszeit gelangt kalte und trockene Luft in das Gebäude. Die Luft strömt durch die Tunnel unter dem Haus, kühlt aus und kondensiert. Wenn die heiße Luft das Haus verlässt, gelangt dank des entstehenden Vakuums frische Luft in das Haus.
Während Bambus als Symbol der Armut angesehen wird, wird eine Toilette mit Spülung als ein Symbol des Fortschritts betrachtet. Die Bauernhäuser sind jedoch nicht mit einem Abwassersystem verbunden, in dem teures Trinkwasser zum Spülen verwendet und als Abwasser in den lokalen Fluss eingeleitet würde. ZERI hat das Toiletten-Design des Öko-Architekten Anders Nyquist aus Schweden übernommen, eine einfache aber fortschrittliche Einrichtung, die die Weisheit der Natur respektiert und Flüssigkeiten und Feststoffe getrennt hält. Nachdem die Feststoffe zwei Jahre lange ausgetrocknet sind, werden sie als wertvoller Dünger auf dem Farmland eingesetzt. Dieses Toiletten-System reduziert den Wasserbedarf der Farm von 100 Litern pro Tag auf ca. 20 Liter pro Tag, da 80 Liter bisher nur für die Spülung benötigt wurden.
Wenn der Bauer nur Kaffee produziert, ist die einzige Pflanze, die er verkaufen kann, Kaffee. Basierend auf dem Zero Emmissions Konzept produziert die ZERI Modellfarm, La Mixoca in Kolumbien, fünf Produkte auf Basis des Ökosystems, das die Farm in der Vergangenheit so erfolgreich gemacht hat: Kaffee bleibt nach wie vor das Hauptprodukt; sechs unterschiedliche koffeinfreie Kräutertees, drei unterschiedliche Pilzarten, getrocknete Bananen und Bambusprodukte.
Der Kaffee kann ökologisch angebaut werden, unter der Bedingung dass der Bauer Monokulturen durch eine Vielzahl an Pflanzen ersetzt. Die Kräuter sind ideal für die Multikulturen, da der Verzicht auf Pestizide ihren Einsatz notwendig macht. Mithilfe anderer Pflanzenarten wird Bodenerosion vermieden. Erosion ist eine typische Folge von Monokulturen. Der Abfall der Kaffeepflanzen wird benutzt, um Shiitake, Glänzender Lackporling und Oyster-Pilze anzubauen. Die Bananenbäume, die traditionell als Schattenspender für die Kaffeepflanzen dienen, liefern jetzt die Rohstoffe für die Herstellung von gesunden Snacks. Die Kräuter, die Pilze und die Bananen werden alle entwässert, so dass sie ohne Zusätze, Konservierungs- oder Farbstoffe haltbar gemacht werden können. Einfach so, wie die Natur es vorgesehen hatte.
Diese vier Produkte werden nun in Bambus verpackt, damit der Bauer die traditionellen Systeme wieder einführen kann und sich gleichzeitig seinen Lebensunterhalt sichert. Seine Einkünfte verdoppeln sich, während die Produktion von Kaffee leicht zurückgeht. Seine Kinder können nun an eine Zukunft der Farm glauben, dass es dort ein guter Lebensstandard möglich und dass eine nachhaltige Art zu leben nicht den Reichen in der Stadt vorbehalten ist, sondern ein Vorrecht derjenigen darstellt, die auf dem Land leben.
Die Revolution des Bauernhauses geht Hand in Hand mit einer Verbesserung des Lebensunterhaltes der Bauern und ihrer Familien. Dies wird den Exodus von ländlichen Regionen in die Stadt aufhalten und zukünftig eine Generation von Bauern hervorbringen, die sich dem Leben in Koevolution mit der Natur widmen.
Links zu zwei Berichten von der Expo 2000 in Hannover:
Entwerfen mit Bambus
ZERI Pavillon auf der EXPO 2000
Weitere Informationen zu dem Thema Bambus finden Sie hier
Film- und Diskussionsveranstaltung
am Sonnabend, dem 24. März 2012,
19.30 im Bahnhof Chorin ein.
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